Gemeinde im Jahr 1900

Quelle: Schwäbisches Kulturarchiv in der Übersetzung von Reinhard Caspars

Schulamtsverweser Adolf Walz ( *1874 bei Sulz) verfasste am 5.12.1900 einen Konferenzaufsatz über Burgfelden. Er war verheiratet mit Wilhelmine Gengenbach und hatte in Burgfelden eine Tochter Klara Natalie. Vom 26.4.1899 an war er Schulamtsverweser und ab 2.4.1902 bis 7.6.1904 Schullehrer in Burgfelden und wurde anschließend nach Dürrwangen versetzt.

Burgfelden OA Balingen

Burgfelden, das höchste Dorf in Schwaben, war schon in frühen Zeiten bekannt. Erheben sich doch in seiner Nähe noch die Trümmer der Schalksburg, der Stammburg der Hohenzollern.

Die meisten Ortsbürger treiben Landwirtschaft, andere sind "Triller" (Trikotweber), welche Tag für Tag ihren Rundstuhl treiben. Da das Ort nur wenige Einwohner zählt; so hat fast jeder Mann ein Amt, sei es als Gemeinderat oder Mitglied des Bürgerausschusses u.s.w.. Ist doch z.B. der Polizei- und Amtsdiener noch Postbote, Leichenschauer, Totengräber, Nachtwächter, Pförtner der alten Kirche und war früher noch Mesmer.

I. Sitte und Brauch

1.) im Alltagsleben.
Die Mahlzeiten sind sehr einfach. Nachdem der Stall in Ordnung gebracht ist, wird "z Morga geasa"; sommers um 6 Uhr, winters um 7 oder 8 Uhr. Die meisten Leute trinken Kaffee und essen Schwarzbrot dazu; in manchen Häusern werden auch noch Wassersuppe und "Eardäpfel" gegessen. Um 9 Uhr wird das "Neunebrot" und mittags um 4 Uhr das "Vierebrot" gegessen.

Es besteht thatsächlich in trockenem Brot. Auch das Mittagessen ist äußerst einfach. Die meisten Leute essen das ganze Jahr hindurch kaum 2 - 3mal Fleisch. Im Sommer sitzen die Männer, ihre Pfeife rauchend, mit den Frauen vor dem Hause auf dem "Bänkle"; meistens ohne ein Wort miteinander zu sprechen. Im Winter kommen die Nachbarsfrauen abends einige Zeit "ge Ausalaufa" oder "z Stuba".

2.) an Fest- und Feiertagen.
Am Nikolaustag kommt der "Schandeklos". Er wird dargestellt durch einen Burschen, der sich ein weißes Hemd übergeworfen und einen "Schellenriemen" umgehängt hat. Hauptsache ist ihm, die Kinder und die ledigen Mädchen zu ängstigen.
Naht Weihnachten, so wird für einen Christbaum gesorgt. Am heiligen Abend wird er angezündet; die Bescherung ist erst am Christtag. Von dem Döte, der Dote und den Großeltern besteht sie aus großen gebackenen "Ringen" (Bretzeln), einem Lebkuchen und Springerlein. Meistens richten es aber dieselben, sowie die Eltern gerne so ein, daß das Christkindle neue Kleidungsstücke oder neue Stiefel bringt. Am Abend des Weihnachtsfestes versammeln sich die Schul-kinder, sowie fast sämtliche Dorfbewohner im Schullokale, wo die "Schualer" unter Leitung von zwei älteren ledigen Mädchen irgend ein poetisches Stück, das zu Weihnachten paßt, aufführen, und nachher mit Äpfeln, Nüssen, Ringlein (Bretzeln) und "Sacktüchern" beschenkt werden.

Großen Ansehens erfreuen sich auch die "Losdäg", weil man aus ihnen zu sehen vermeint, wie sich die Witterung in den einzelnen Monaten des neuen Jahres gestalten wird. Am meisten wird auf das Neujahrsfest geachtet; es ist ja maßgebend für die Witterung im Erntemonat. Auch werden in der Weihnachtsnacht 12 Schalen einer Zwiebel (für jeden Monat 1 Schale) auf den Tisch gelegt und in jede ein wenig Salz gestreut. Löst sich nun das Salz in irgend einer Schale auf, so ist der Monat, für den diese Schale bezeichnet war, naß und umgekehrt, wenn sich das Salz nicht auflöst. An Weihnachten wünschen sich die Leute ein "guats Johr", an Neujahr "ä guats neus Johr!"

Am Altjahrsabend hört man trotz den "Wächtern" lebhaftes Schießen.
An Lichtmeß heißt es: Lichtmeß bei Tag ess`.
An der "Fasnet"(Fastnacht) giebt es Küchlein. Masken, "Affegsichter" lassen sich selten blicken.
Der Karfreitag wird außer durch Kirchgang noch durch Enthaltung vom Fleischgenuß gefeiert.
Am Osterfest, "Hasatag" werden die Kinder von ihren Eltern mit gefärbten Eiern beschenkt.
Am 1. April werden die Kinder (und oft auch alte Leute) in den April geschickt, etwa zum Krämer, um "für 2 & I-be-dumm" zu holen.
In der Nacht vom letzten April bis 1. Mai wird auf den "Brunnastock" mitten im Ort ein Maien gesteckt.
An der Kirchweih werden "Kirbekuache" gebacken; auch bekommen die "Schualer" auf diesen Tag neues Häs (Kleider).
Ein Glückstag ist der Sonntag. Unglückstage giebt es 7 im Jahr, der 15. März, 24. Juni, 6. Juli
und 2. Dezember (die anderen konnte ich nicht erfahren).
Sommers zieht am Sonntag Mittag die ledige Jugend auf den Böllat und jauchzt und singt in das Thal hinab. Im Winter versammeln sich Söhne und Töchter abgesondert in irgend einem Haus.

3.) im menschlichen Lebenslauf
Die Kinder kommen aus der "Hülb" und werden von der Hebamme gebracht.
Der erste Ausgang der Wöchnerin ist in die Kirche. Dabei wird geopfert und zwar mehr als sonst. Vorher soll die Wöchnerin nicht über die Hausschwelle, weil dies dem Säugling Ünglück bringen würde. Ein schöner Brauch ist, daß aus jedem Haushalt eine Frau "ge Weisa" geht, d.h. der Wöchnerin ein Geschenk bringt. Die nächsten Verwandten bringen einen "Heafaring"
(Hefenring), Kaffee und Zucker. Die Taufe findet meistens schon am kommenden Sonntag statt. Es sind immer 2 Döte und eine Dote. Nachdem der Taufakt vorbei ist, opfern zuerst die Taufpaten und die Hebamme. Nach ihnen tritt der Vater des Kindes an den Taufstein und opfert. Nach der Taufe findet der Taufschmaus statt, bestehend in --- Kaffee und Hefenring. Die Frage: Wie soll das Kindlein heißen? macht kein Kopfzerbrechen. Der erste Knabe heißt dem ältesten Döte, das erste Mädchen der Dote nach. Nachher werden noch andere Namen aus der Verwandschaft gewählt. Doppelnamen sind Hansmarte, Hansjörg, Ameile (Anna Maria), Annakäther (Anna Katherina).

Eine Hochzeit ist ein hochwichtiges Ereignis für die ganze Einwohnerschaft. Kein Wunder: ist dieses Fest doch so selten. Der Hochzeit geht der "Heiratstag" voraus. An ihm wird der Tag der Hochzeit und das "Heiratsguat" festgesetzt. Nach den Verhandlungen gehen die Brautleute mit den nächsten Verwandten auf Kosten des Bräutigams und der Braut ins Wirtshaus.
Tag der Hochzeit ist meistens ein Montag oder Donnerstag. Hochzeiten am Freitag als dem Hexentag sind ganz undenkbar. Auswärtige werden durch den Polizei bzw. Amtsdiener eingeladen, indem der selbe einfach "ausschellt", daß der und der und die und die an dem und dem Tag Hochzeit haben und jedermann hierzu freundlich einladen lassen. Die Einheimischen werden von der Braut und Brautjungfer persönlich eingeladen, wobei aber die Brautjungfer die Einladung sagen muß.
Beide haben an diesem Tag womöglich gleichfarbige, wenn nicht ganz gleiche Kleider angezogen und an ihrem Schurzband ein weißes Band herabhängen. Hat die Braut "ein Hufeisen verloren"(unehelich geboren), so tritt an ihre Stelle beim Hochzeitsladen eine andere Brautjungfer. Falls die Braut von auswärts kommt, bringt ihren Hausrat der mit Kränzen geschmückte "Brautwaga". Dieser gelangt an den Ort seiner Bestimmung ein oder zwei Tage vor der Hochzeit. Am Mittwoch als einem Unglückstag soll kein Einzug stattfinden. Vornean auf dem Brautwagen sitzen der Bräutigam und die Braut.
Am Morgen des Hochzeitstages findet die "Morgensupp" statt, d.h. die nächsten Verwandten und Nachbarn, die "Gsellen"(Brautführer) und "Gspielena"(Brautjungfern) versammeln sich im Hause der Braut und trinken Bier oder Kaffee und essen "Kuacha"(Kuchen).
Wenn es in die Kirche läutet, geht der Hochzeitszug aufs Rathaus zur bürgerlichen Eheschließung und nachher in die Kirche. Bräute, die ein Hufeisen verloren, tragen kein Kränzlein. Nach der Trauung geht der Zug ins Wirtshaus, wo Kaffee getrunken wird. Ein Hochzeitsmahl findet nicht statt, da jeder vor der Kirche daheim zu Mittag gegessen hat, Auswärtige Brautführer und Brautjungfern müssen sehen, wo sie etwas zu essen bekommen.
Auch abends etwa um 7 Uhr geht das Brautpaar heim zum Nachtessen, bestehend aus Kaffee. Die "Speisekarte" in der Wirtschaft, in welcher die Hochzeit stattfindet, lautet an diesem Tag: Backsteinkäs, rote und schwarze Würscht und weiße "Würscht" (Leberwürst). Dabei wird stets bemerkt, wenn ein Hochzeitsgast fragt, was er zu essen bekommen könne: "Heut hau mer a reiche Auswahl". Die Hochzeitsgäste gehen auch in das Haus der Braut, um die Aussteuer zu besichtigen.

Besonders einträglich wird die Hochzeit für die Brautleute. Sie stehen in der Nähe der Stubenthüre und nehmen die in Geld bestehenden Hochzeitsgeschenke in Empfang. Jeder Hochzeitsgast sagt, ehe er geht: "I möcht gerne mei Schuldigkeit arichte" und giebt nun einem der Brautleute 20 & bis 1 M, je nachdem. Die "Hochzeitsschenke" kommt in eine mit einem Teller bedeckte Schüssel, welche auf dem mit einem weißen Tuch bedeckten Hochzeitstisch steht. Eine schöne Sitte ist, daß die Neuvermählten am ersten Abendmahl, das nach ihrer Hochzeit stattfindet, miteinander an demselben teilnehmen. Der Mann sagt von nun an, wenn er von seiner Frau redet: "die Mai"; die Frau aber sagt: "der Mai".

Das Leichenansagen im Pfarr- und Schulhaus besorgen Familienangehörige; wenn ein Kind gestorben ist, so kommt der Vater. In andere Häuser des Orts wird nimmer geschickt, da es eines vom andern erfährt. In auswärtige Orte sendet man einen oder mehrere "Leichensäger". Die Leichenwache halten die nächsten Angehörigen; doch bleiben sie selten die ganze Nacht auf.
Gesungen wird vor dem Trauerhause, unterwegs und zweimal auf dem Kirchhof. Kinder werden von der Dote, Erwachsene von vier Trägern getragen. Im Zuge gehen die nächsten Verwandten des Verstorbenen. Bei jeder Beerdigung wird auf dem Kirchhof ein Gebet gespro-chen; alsdann findet in der Kirche die Leichenpredigt statt. Statt dem Postludium spielt der Lehrer den Choral: "Christus, der ist mein Leben", wozu die Schüler singen.
Jeder Schüler erhält bei einer Leiche 5 &.

Steinerne Denkmale giebt es hier auf dem Kirchhof nicht, dagegen einfache hölzerne Grabkreuze.
Wenn ein Totes im Hause liegt, so muß man Vogelkäfige und Blumenstöcke an einen anderen Ort stellen, weil sonst die Vögel sterben, die Blumenstöcke verdorren.
Die Trauerzeit dauert beim Tod eines Erwachsenen 1 Jahr, beim Tod kleiner Kinder ½ Jahr; doch wird es damit nicht so genau genommen.

4.) in Haus- und Feldwirtschaft.
Hier konnte nichts Bemerkenswertes beigebracht werden.

5.) beim Handwerk.
In Burgfelden giebt es 3 Schuhmacher, 3 Maurer und 1 Zimmermann, der aber zugleich auch die Arbeiten des Schreiners, Glasers und Malers im Ort versieht.

6.) Rechts- und Verwaltungsbräuche.
Wenn Grenzsteine gesetzt werden, so müssen jedesmal zuerst "Zeugen" (entweder einige mit der Hand festgeknetete Lehmstücke oder Steinplättchen) in das Loch geworfen werden, dann erst kommt der Grenzstein darauf.
Die Flurgrenzen sind mit größeren Steinen bezeichnet.
Der Marktverkehr geht hauptsächlich nach Balingen und Ebingen.

II. Nahrung und Kleidung, Wohnung und Geräte

1.) Nahrung.
Die Hauptnahrung besteht in Milch, Kartoffeln und Brot. Getrunken wird Most und hin und wieder auch ein Gläschen Schnaps. Die Leute sind größtenteils sehr mäßig im Essen und Trinken. An Hochzeiten wird nur Bier getrunken. Wein zu trinken erlauben sich die Leute nie, ausser wenn sie sich krank fühlen. Sonntags gehen einige Männer 1 - 3 Stunden ins Wirtshaus und trinken einige Glas Bier. Werktags geht kaum jemand ins Wirtshaus, außer es sei ein ganz besonderer Fall, etwa wenn einer ein Stück Vieh verkauft hat.

2.)Kleidung.
Die Alltagskleidung ist höchst einfach; die Festtagskleidung beinahe städtisch.
Trauerkleider sind schwarz. Die Ledigen tragen farbige Kleider, während die Verheirateten (besonders die Weiber) sich meistens schwarz kleiden.

3.) Wohnung und Geräte.
Die 46 Häuser von Burgfelden sind mit Ausnahme von 15 alle einstockig und stehen sämtlich parallel zur Dorfstraße. Die Balken sind meistens an der Wand sichtbar; nur 3 - 5 Häuser sind verputzt.
Gesponnen wird ganz selten; nur noch 1 - 3 ältere Weiber verstehen mit dem Spinnrad umzugehen.
Die Kühe tragen beim Ziehen ein Kummet.
Einen besonderen Kummetschmuck der Rosse giebt es nicht.

III. Glaube und Sage.

Vom Aberglauben findet sich noch manche Spur, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß die Zeit mit manchem Aberglauben aufgeräumt hat.
Geister giebt es da und dort auf der Markung. Hat doch erst vorigen Herbst der "Ortsgewaltige" mit seinem Bruder unter dem Böllat einen Geist gesehen. Auch zu einem treulosen Gatten kommt die verstorbene Frau stöhnend und heulend fast jede Nacht, so daß dessen Kinder kaum bei Tag allein im Hause bleiben. Daß natürlich auf der Schalksburg viele Geister ihr Wesen treiben, ist ganz selbstverständlich. Jeder Selbstmörder muß so viele Jahre "als Geist gehen", als er noch zu Leben gehabt hätte.
Auch das "Muotes Heer" zieht hie und da durch die Luft. Wer das Herannahen an dem Rauschen in der Luft bemerkt, muß sich sofort auf den Boden niederlegen, sonst wird er mit fortgenommen.

3.) Manche Leute achten auch sehr auf ihre Träume und Traumbücher finden sich nicht selten hier.
Auch einige Hexen giebt es hier. Jedermann begegnet ihnen besonders freundlich, damit er
nicht verhext werde.

4.) Das Totenkäuzle verkündet baldigen Tod.
Wer beim ersten Kuckucksruf den Geldbeutel schüttelt, hat nie Mangel an Geld.
In ein Haus, an welchem Schwalben ihre Nester haben, schlägt der Blitz nicht.
Putzt sich die Katze, so kommt Besuch.
Der Biß eines Hundes heilt am besten, wenn Haare von dem Missetäter auf die Wunde gelegt werden.
Die Eier, welche die Henne am Karfreitag legt. halten ein ganzes Jahr; man kann sie weder färben noch
vollständig hart sieden.
Die Schwindsucht wird am besten geheilt durch den Genuß gedörrter Kreuzspinnen.
Krachen die Stiefel, so hat der Schuhmacher kein Trinkgeld bekommen.
Wer zweimal nacheinander niest, der erhält denselben Tag noch etwas geschenkt, oder fällt er in den Dreck. Niest er, nachdem er etwas erzählt hat, so ist das Erzählte wahr.
Wird das "Salzbüsle" umgeworfen, so giebt es denselben Tag im Hause noch Händel.
Springt ein Hase über den Weg, so bedeutet das Unglück; ebenso wenn einem eine Katze begegnet, da sich die Hexen gerne in schwarze Katzen verwandeln.
Eine Schafherde, die einem entgegenkommt, bringt Glück; auch bedeutet es Glück, wenn eine Schar Raben über einen hinfliegt.

5.) Burgfelden soll einst ein sehr großes Dorf gewesen sein, in welchem 5 Kirchen waren. Auf dem Berg sei auch noch ein Dorf gewesen; welches aber im 30jährigen Krieg niedergebrannt worden sei. Die Herren von der Schalksburg ritten an den Festtagen hieher zur Messe.
Auf der Schalksburg ist ein tiefes Loch, in welchem viel Geld und Gold verborgen ist. Dasselbe wird aber von einem schwarzen Pudelhund mit feurigen Augen bewacht. Früher soll sich einmal ein Mann aus Laufen a.d.E. einem Seil hinabgelassen haben. Jedoch habe er, nachdem er kaum ein paar Meter weit drunten war, gerufen, man möge ihn doch wieder hinaufziehen. Er erzählte dann haarsträubende Sachen.
In der alten Kirche hier soll der heilige Michael begraben liegen.

IV. Volksdichtung.

1. Da die meisten ledigen Burschen und Mädchen von hier in den Fabriken in Ebingen und Thailfingen arbeiten, so hört man nur zuweilen am Sonntag ein Liebeslied. Eines hievon sei angeführt:
1.) Jetzt geht es gegen die Nacht,
Die Nacht, und die war finster,
Daß man kein Sternlein sah.
2.) Ich ging vor Schätzeles Haus:
Ach Schatz bist dus allein,
So komm und mach mir auf!
3.) Sie stellte mich hinter die Thür.
Als Vater und Mutter schliefen,
Zog sie mich leise herfür.
4.) Sie führte mich oben ins Haus.
Ich glaubt, sie führte mich schlafen,
Zum Fenster, dar schmeißt sie mi naus.
5.) Ich fiel auf einen Stein.
Drei Rippen hab ich gebrochen,
Dazu noch Hals und Bein.
6.) Ich verkroch mi hinter en Stein.
Da kamen 3 junge Gesellen
Und banden die Wunden mir ein.
7.) Sie führten mich vor mein Haus:
Ach, Mutter, ich bins gefallen
Vor meines Schätzeles Haus.
8.) Mein Sohn, es geschieht dir recht;
Wärst du zu Hause geblieben
Wie unser treuer Knecht.
9.) Jetzt ist des Liedle aus.
Und wer den Weg net besser weiß,
Der bleibt bei der Nacht zu Haus.

2. Kinderlieder:
Hammele mäh,
Wo bist gwä ?
Auf der Heid !
Was hast gseh ?
Lauter Hammele mäh !
------
Es regnet, es tropflet,
Alte Weiber hopfet;
Hopfet in der Küche rum
Und schmeißet alle Häfa um.
------
S wird regna, s würd schneia,
Würd älle Leut kaia.
-------
Krab, Krab (Rabe), dei Häusle brennt,
S hocket sieba Junge drenn.
Se esset mit Löffele,
Se esset mit Gäbele,
Krab, Krab, dei Häusle brennt.
------
Maiakäfer fliag,
Dei Vatter ist em Kriag,
Dei Muater ist im Pommerland,
S`Pommerland ist abgebrannt.
Maiakäfer fliag.
------
Schneck, Schneck (Schnecke), gang raus,
Oder i wirf de übern haischte,
Haischte Turm naus.
------
I hau mei Häfele gschochet vol;
D Halta (die Halde) ist leer,
Wenn i no au bei meim Haus wär.
-------
Äpfel, Krättle (Körbchen), Nuß
Und du bist duß.
------
Gutter, Gatter,
Und du bist mei alter Vatter.
-------
Eins, zwei, drei,
Butter auf em Brei,
Salz am Speck
Und du bist weg.
------
Rätsel:
Dahinter Fleisch, davorna Fleisch,
Da mitta Stahl und Eisen,
Da nebahear (nebenher) a Trallewatsch ? .
Wear des verrot, des ist a Gscheider.
(Landmann, Pferde, Pflug und Treibbube).
-------
Es ist ein Ding so klein als eine Maus, und doch können es 6 Pferde nicht den Berg hinaufziehen. (Garnknäuel)
--------
Wenn es schwer ist, ist mirs leicht,
wenn es leicht ist, ist mirs schwer. (Geldbeutel)
-------
Wien, Berlin und Kopenhagen;
wie schreibt man das mit drei Buchstaben ? (das)

Sprichwörter:
De beste Händel sind koin Kreuzer wert.
Dear ist dümmer als drei Tag Reagawetter (Regenwetter).
Beim earsta Laib Brot muaß mär sai Weib ziaga (ziehen).

V. Mundart.

Der Name Burgfelden lautet in mundartlicher Form: "Burgfeald". Die Dorfstraßen heißen. D´Schloßgass`, Kesselgass`, Bronnagass`.
Flurnamen sind: Duwinkel, Eckwinkel, Reitäcker.
Spitznamen für Einzelne giebt es hier nur wenige, z. B. der Wulle, Rauhorig (Rauharige), Lügematthäus (Lügenmatthäus), Bonette.
Der Hahn heißt hier Guler, die Gans Gas, die Sau Sussel, ein Baum Bom.
Der Schwiegervater heißt Schwäher, die Schwiegermutter Schwieger, die Schwägerin Gschweih.
Die Wochentage heißen in mundartlicher Form: Sonndach, Medach, Deischdach, Mittwoch, Dorschdach, Freidach, Samschdach.
Die Bejahung lautet jo; die Verneinung: Noi itta.
Der Gruß lautet morgens: Guata Morga; mittags: Grüaß Gott; abends: guata Nobet. Als Antwort darauf kommt stets: i dank.

Ges. Konf. Dir.
gez. Stapf


Copyright © 2014. All Rights Reserved.